"Standpunkt"
Der Standpunkt ist der monatliche Kommentar von Wilfried Rosenberg (w.rosenberg@mittelstand-oberlausitz.com), Leiter des Regionalverbund Oberlausitz. Sie erscheint auch in der "Mittelstand-Aktuell".
Projekte als Teil der Interessenvertretung
Da sich bekanntermaßen die Welt in einem hohen Tempo und in ungeahnter Komplexität entwickelt, stellt sich auch die Frage nach einer wirkungsvollem Interessenvertretung für den Mittelstand immer neu.
In den letzten Jahren haben wir den BVMW-Oberlausitz als Logistiker an der Schnittstelle zwischen Unternehmen, Politik, Wissenschaft und Kunst etabliert. Mit Projekten wollen wir nachhaltig Entwicklungen beeinflussen, um damit auf die Interessen des Mittelstandes aufmerksam zu machen. Andererseits aber auch verdeutlich, dass es uns nicht ums „Meckern“ und Kritisieren geht, sondern wir uns als Unternehmer auch mit Aktivitäten in die Pflicht nehmen lassen, ohne das wir vereinnahmt werden.
Das erfolgt durch viele Positionierungen, wie z.B. zur Verkehrsinfrastruktur, Lauencenter-Bau, Bautzener Unternehmertage, Unternehmerbefragungen.
Das erfolgt durch die Teilnahme an regelmäßigen Arbeits-beratungen wie z.B. Verbundinitiative Bahntechnik Sachsen, Messe Kamenz, Seenlandmesse Hoyerswerda, Gewerbe-runde Bautzen, Arbeitgeberzusammenschlüsse, oder auch zu gezielten Einladungen von Parteien.
Die Arbeit mit dem Politischen Beirat ist ein regelmäßiger, auch individueller Dialog mit den Mitgliedern von Bundes– und Landtag. Die SIGs (Spezial-Interessen-Gruppen), wozu auch der Unternehmer– und der Seniorenbeirat gehören, oder z.B. „Stausee Bautzen“ und „Gesund & Vital“ bearbeiten regelmäßig Themen der Interessenvertretung.
In der Zwischenzeit erreichen wir auch eine immer größere Durchsetzungskraft durch die regelmäßige Abstimmung mit IHK und Kreishandwerkerschaft.
Mit Projekten sind aber noch andere Herausforderungen und Chancen verbunden.
- "Die ganze Welt ist Bühne" mit dem Theater Bautzen: hier nehmen wir mit 11 Unterprojekten konkreten Einfluss auf den Erhalt weicher Standortfaktoren.
- „Auf den Spure Oskar-Roesger“ mit dem Museum Bautzen - jetzt mit der Verleihung des Oskar-Roesger-Preises; würdigen wir gemeinsam mit der Stadt Bautzen Personen mit einem unternehmerischen Engagement für Kultur, machen aufmerksam: Mittelstand ist nicht Ausbeuter, wir wollen zur Entwicklung der Region beitragen.
- „Bildungsbündnis Mittelstand - Wissen schafft Vorsprung“; als Kooperation mit der Staatlichen Studienakademie, aus der auch die „Mittelstands-akademie Oberlausitz“ hervorgegangen ist und damit nicht nur der Bildungsstandort gestärkt wird, sondern immer auch Impulse für den Innovationstransfer gegeben werden sollen und das Verhältnis des Netzwerkes der Praxispartner eine Weiterentwicklung erfährt.
- "Karriere Mittelstand Oberlausitz" befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Gemeinsam mit der Sächsischen Bildungsagentur sollen Aktivitäten zur Sicherung des akademischen Nachwuchses erfolgen.
Überall geht es um die gebündelten Interessen des Mittelstandes. Nur über aktive Mitarbeit der Unternehmen können diese verwirklicht werden. Mit der Bearbeitung der Projekte erhalten wir immer neue Erkenntnisse, können auf die Partner und die für sie geltenden politischen Rahmen-bedingungen Einfluss nehmen und verbessern so die Potentiale für den Mittelstand.
Das ist ein langer Weg! Das ist auch für manchen Unternehmer, der sich selbstverständlich auf sein Unternehmen konzentriert gar nicht so schnell als Lobby-arbeit zu erkennen.
Die Unternehmen die sich beteiligen haben daraus vielfältigen Nutzen, den jeder für sich auch anders bewertet; was es uns nicht leichter macht. Eines ist aber klar: Wir als Geschäftsstelle, als Netzwerk-knoten entwickeln die Projekte und Aktivitäten immer aus dem was die Unternehmen uns für Impulse geben.
Es liegt demnach auch an der Frage, wie die einzelnen Unternehmen ihre Interessen artikulieren (können). Das wird immer wichtiger, weil politische Entscheidungen auf allen Ebenen immer mehr in die Märkte eingreifen.
Das ist bei der noch bevorstehenden Energiewende genauso wie Entscheidungen ob ein Einkaufs-Center (in Bautzen und Görlitz) gebaut werden oder wie viel Geld und welche Strukturen in Bereich Bildung oder Theater zur Verfügung stehen.
„Wenn der Mittelstand sich nicht wehrt, wird er weg-gekehrt“ - sagt Präsident Ohoven.
Je besser es uns gelingt, uns als thematische Verantwortungsgemeinschaft aufzustellen, d.h. einen hohen Vernetzungsgrad mit Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Kultur und Medien zu organisieren, je besser können wir nicht nur mittelständische Interessen transportieren, sondern auch eine größere Planungssicherheit erreichen.
In dem wir besser wissen woran wir sind, kann auch strategisch
wirtschaftlich durch den einzelnen Unternehmer entschieden werden.